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  • Mord a cappella – unter Verdacht DIE SCHMACHTIGALLEN
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Mord(s)ge­schich­te a cap­pel­la - Gießener Anzeiger
15.10.2018

Neun­zig Mi­nu­ten be­ste Un­ter­hal­tung: „Schmach­ti­gal­len“ mit neu­em Stück im Gro­ßen Haus des Gie­ße­ner Stadt­thea­ters

Ein kla­rer Fall: Ih­ren ge­ra­de­zu le­gen­dä­ren Ruf als Sän­ger­quar­tett ha­ben sich die „Schmach­ti­gal­len“ nicht oh­ne Grund ver­dient. Da­für er­brach­ten die vier Her­ren jetzt in der Pre­mie­re ih­res neu­en Stü­ckes „Mord a cap­pel­la – Un­ter Ver­dacht“ auf der Gro­ßen Büh­ne des Stadt­thea­ters Gie­ßen ein­deu­tig den Be­weis. Vir­tuo­se Stim­men, ei­ne le­ben­di­ge Büh­nens­how und wun­der­ba­re Ar­ran­ge­ments, kurz ge­sagt: neun­zig Mi­nu­ten be­ste Un­ter­hal­tung. Ent­spre­chend be­geis­tert fiel auch der Ap­plaus in dem bis in die Rän­ge hin­auf ge­füll­ten Thea­ter aus.

Dies­mal geht es um Mord, und die Schmach­ti­gal­len ste­cken mit­ten im Ge­sche­hen. Ent­spre­chend spek­ta­ku­lär ist auch der Auf­takt mit den cha­rak­te­ri­sti­schen Tak­ten der Schick­sals-Sin­fo­nie und ei­nem hef­ti­gen Ge­wit­ter: Die Haus­häl­te­rin öff­net die Tür der Vil­la im schot­ti­schen Hoch­moor, Re­gen­was­ser strömt her­ein, drau­ßen steht Mar­tin Lud­wig von den Schmach­ti­gal­len, sei­ne drei Kom­pag­nons sind be­reits in den Gäs­te­zim­mern auf der Em­po­re un­ter­ge­bracht. Das be­lieb­te Sän­ger­quar­tett ist von ei­ner ex­zen­tri­schen Mil­lio­nä­rin ein­ge­la­den wor­den, die ei­ne künf­ti­ge Eu­ro­pa­tour­nee fi­nan­zie­ren will. Doch al­les kommt an­ders als er­war­tet, ein Mord­fall for­dert die de­tek­ti­vi­schen Fä­hig­kei­ten der Schmach­ti­gal­len her­aus, plötz­lich ste­hen al­le vier Herrn un­ter Ver­dacht. Oder wa­ren es viel­leicht doch eher die an­de­ren Be­woh­ner des Hau­ses? Was ist mit dem blin­den Pia­nis­ten (An­dre­as Som­mer) oder mit der un­freund­li­chen Haus­häl­te­rin (Ma­rie Loui­se Gut­teck), die sich an­sons­ten zwi­schen den vier Sän­gern be­stens be­haup­tet? Da tau­chen vie­le Fra­gen auf, die es zu be­ant­wor­ten gilt.

Da die­se Ko­mö­die ganz im klas­si­schen Stil der Dur­brid­ge- und Ed­gar Wal­la­ce-Kri­mis der 50er und 60er Jah­re da­her­kommt, hat sich Re­gis­seur Wolf­gang Hof­mann ei­nen be­son­de­ren Clou aus­ge­dacht: Al­les ist in schwarz-weiß ge­hal­ten, so­gar die Ge­sich­ter der Ak­teu­re sind weiß ge­schminkt und das Blut si­ckert grau über die ver­meint­li­che Lei­che. Wolf­gang Hof­mann hat sich in Gie­ßen be­reits ei­nen Na­men ge­macht, un­ter an­de­rem mit „Häupt­ling Abend­wind“ oder in der lau­fen­den Spiel­zeit mit „Ma­la Vi­ta“. Büh­ne und Kos­tü­me stam­men von Lu­kas Noll und Tho­mas Döll, auch die­se dem Gie­ße­ner Thea­ter­pu­bli­kum be­stens be­kannt.

Die­se Mord(s)ge­schich­te in Schwarz-Weiß wird durch die Lie­der erst rich­tig zum Le­ben er­weckt, denn die Songs sind al­les an­de­re als schwarz-weiß, son­dern sie schil­lern bunt in al­len Far­ben. Und durch den Vor­trag von Jan Hoff­mann, Mar­tin Lud­wig, Ro­land Furch und Se­ve­rin Geiss­ler wer­den sie erst rich­tig zum Leuch­ten ge­bracht. Ob es sich um das al­te „Je­ru­sa­lem“, han­delt, be­kannt ge­wor­den durch The Night of the Proms“ in Lon­don, um Lie­der der „Co­me­di­an Har­mo­nists“ oder „Wi­se Guys“ oder auch um ei­ge­ne Kom­po­si­tio­nen, die Schmach­ti­gal­len ha­ben‘s wirk­lich drauf, um es ein­mal sa­lopp zu for­mu­lie­ren. Ge­ni­al schon die Ar­ran­ge­ments von Se­ve­rin Geiss­ler, die von den vier Sän­gern wun­der­bar und hoch mu­si­ka­lisch um­ge­setzt wer­den.

Zum Bei­spiel „Ain’t she sweet“, ein Song, der vor al­lem durch die Beat­les be­kannt wur­de, aber zu­vor be­reits in den 20er Jah­ren als Jazz-Stan­dard zu hö­ren war.

Die vier Sän­ger hat­ten auch be­ste mu­si­ka­li­sche Un­ter­stüt­zung: Der rät­sel­haf­te Kla­vier­spie­ler (An­dre­as Som­mer) er­wies sich als Meis­ter der Tas­ten, sei­ne bei­den Kol­le­gen muss­ten wäh­rend des Stücks na­he­zu un­sicht­bar hin­ter der ge­mus­ter­ten Ta­pe­te blei­ben: An Bass und Gi­tar­re spiel­te Ste­fan Schnei­der sou­ve­rän sei­ne Ak­kor­de, am Schlag­zeug gab Si­mon Zim­bar­do je­der­zeit den rich­ti­gen Takt an. Nur bei der Zu­ga­be wa­ren Sän­ger und In­stru­men­ta­lis­ten in trau­ter Run­de auf der Büh­ne ver­eint.

Es folg­ten noch ei­ne zwei­te und ei­ne drit­te Zu­ga­be. Un­übe­rhör­bar: Die Schmach­ti­gal­len sin­gen ein­fach gern. Aber das ist wohl die Grund­vor­aus­set­zung für die­ses Ge­schäft.


Ur­su­la Hahn-Grimm, 15.10.2018, Gießener Anzeiger

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