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Wil­de Wel­len frei nach Sha­ke­spea­re - Gießener Anzeiger
27.01.2018

„Der Sturm“: Pro­duk­ti­on des Ju­gend­clubs Tanz des Stadt­thea­ters / Von klas­si­schen Cho­reo­gra­phien bis zu Mo­dern Dan­ce

Ei­ne stür­mi­sche See, ein stür­mi­scher und tur­bu­len­ter Tanz­abend mit 20 jun­gen Leu­ten, die sich mit gro­ßem Ei­fer der tän­ze­ri­schen Her­aus­for­de­rung hin­ga­ben. Die mitt­ler­wei­le 14. Pro­duk­ti­on des Ju­gend­clubs Tanz des Stadt­thea­ters mit dem Ti­tel „Der Sturm“ nach Wil­li­am Sha­ke­spea­re fei­er­te am Don­ners­tag­abend in der Stu­dio­büh­ne taT sei­ne Pre­mie­re. Mit be­geis­ter­tem Ap­plaus be­lohnt wur­de das En­sem­ble von ei­nem zu­meist ju­gend­li­chen Pu­bli­kum, das sich die neue Pro­duk­ti­on von Ter­ry Per­der­sen Pfeif­fer nicht ent­ge­hen las­sen woll­te.

Al­so: Her­zog Pro­spe­ro, der zu­gleich ein gro­ßer Ma­gi­er ist, wird vom Thron ge­stürzt und mit sei­ner Toch­ter Mi­ran­da aufs Meer hin­aus­ge­trie­ben. Auf ei­ner ver­zau­ber­ten In­sel an­ge­kom­men, macht er sich den Luft­geist Ariel und den ver­wil­der­ten Ca­li­ban zu sei­nen Die­nern. So heißt es bei Sha­ke­spea­re. Mit­hil­fe sei­nes ma­gi­schen Die­ners be­schwört Pro­spe­ro ei­nen Sturm her­auf, um sei­ne Fein­de auf die In­sel zu lo­cken und sich an ih­nen zu rä­chen und um sei­ne Toch­ter mit Prinz Fer­di­nand zu ver­kup­peln. Die Aus­füh­rung des Plans ist zau­ber­haft und lässt vie­le tän­ze­ri­sche Fi­nes­sen zu: Mit vie­len ma­gi­schen Tricks ent­fes­selt Pro­spe­ro ein aus­ge­klü­gel­tes Il­lu­si­ons­spiel und ent­geht da­bei sou­ve­rän den At­ta­cken bös­ar­ti­ger Schiff­brü­chi­ger und grau­si­ger Un­ge­heu­er …

Cho­reo­gra­phin Ter­ry Pe­der­sen Pfeif­fer lässt den ju­gend­li­chen Tän­zern den Frei­raum, die­se Ge­schich­te um Lie­be, Ra­che und Ma­gie selbst zu ge­stal­ten. In der knapp 70-mi­nü­ti­gen Pro­duk­ti­on ist ei­ne kla­re Ent­wi­cklung zu er­le­ben von klas­si­schem Tanz mit in­di­vi­du­el­len Ein­zel­leis­tun­gen bis hin zu Mo­dern Dan­ce und Di­sco-Shows. Und mit dem cho­reo­gra­phi­schen Ent­wurf än­dert sich na­tür­lich auch die Mu­sik: Was mit Klän­gen aus Re­nais­san­ce und Klas­sik be­gon­nen hat­te, soll­te ge­gen En­de in den emo­tio­na­len Klän­gen be­kann­ter Rock- und Pops­tü­cke en­den.

Ein paar Sze­nen- und Kos­tüm­wech­sel we­ni­ger wä­ren ins­ge­samt für die Cho­reo­gra­phie mehr ge­we­sen. So prä­sen­tier­te sich das Stück zu­wei­len als An­ein­an­der­rei­hung von Ein­zels­ze­nen mit in­di­vi­du­el­len Tanz­dar­bie­tun­gen. Die­ser Ein­druck wur­de durch den Zwi­schen­ap­plaus des Pu­bli­kums noch ver­stärkt. Klar, dass al­le ih­re Be­geis­te­rung zei­gen wol­len, aber es ist ja auch span­nend, wie es in Sha­ke­spea­res chao­ti­schem Traum-Stück wei­ter­geht.

Oh­ne Fra­ge: Die jun­gen Tän­ze­rin­nen und Tän­zer ha­ben sich mit ih­rer Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit, mit ih­rer Be­weg­lich­keit und ih­rem Tem­pe­ra­ment ein di­ckes Lob ver­dienst. Deut­lich zu spü­ren, dass die meis­ten der Be­tei­lig­ten bei die­sem Stück nicht zum er­sten Mal auf der Büh­ne ste­hen, son­dern sich schon ei­ni­ge Er­fah­run­gen in Sa­chen Tanz er­ar­bei­tet ha­ben. Durch ge­ra­de­zu pro­fes­sio­nel­les Auf­tre­ten in gro­ßen Rol­len wa­ren Pro­spe­ro (Her­mann Kron), Mi­ran­da (Mi­ri­am Schaaf), der Was­ser­geist Ariel (Je­le­na Mül­ler) so­wie Ca­li­ban (Glenn Buch­holtz) und Sy­co­rax (The­re­sa Geh­ring) zu er­le­ben. Der Ju­gend­club Tanz hat selbst für die Aus­stat­tung und Mu­sik ge­sorgt, die den quir­li­gen und emo­tio­na­len Rah­men für das Tanz­ge­sche­hen bil­de­ten.

Wei­te­re Mit­wir­ken­de: Em­ma Herr­mann, An­to­nio Mal­uka, My­riel Bi­schoff, Kat­ha­ri­na Hu­ber, Em­ma Be­pler, The­re­sa Geh­ring, Ra­bea Hirsch­mann, Ma­ri­sa Lenz, Christ­ina Mant­ze­las, An­na Lot­te Schnei­der, Ana­sta­sie Stein­born, San­dra Thies­sen, Li­li­an Wald­mül­ler, Ja­wed Dau­lat­zai, Ma­lik Sa­lih.


Ulla Hahn-Grimm, 27.01.2018, Gießener Anzeiger

© 2018 Stadttheater Giessen
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