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Ju­lia Li­ßel singt al­le an die Wand - Gießener Anzeiger
22.11.2016

Neue Pro­duk­ti­on „Die Schmach­ti­gal­len lan­den ei­nen Hit“ mit nicht im­mer über­zeu­gen­den Leis­tun­gen

Was ist, wenn all dei­ne Ver­su­che fehl­schla­gen, ei­nen Ohr­wurm zu schrei­ben? Ge­nau da­von han­delt das neue Stück der Schmach­ti­gal­len, das am Sonn­tag im Gro­ßen Haus des Stadt­thea­ters Pre­mie­re fei­er­te. Un­ter dem Ti­tel „Die Schmach­ti­gal­len lan­den ei­nen Hit“, sieht man Ro­land Furch, Jan Hoffmann, Se­ve­rin Geiss­ler und Mar­tin Lud­wig als das A-cap­pel­la-Quar­tett „Die Tril­ler-Bo­ys“, dem die mu­si­ka­lisch-krea­ti­ve Zwangs­pau­se ge­hö­rig auf die Ner­ven geht. Denn den Voll­blut­mu­sik­ern will nach so vie­len er­folg­rei­chen Mu­sik­jah­ren ein­fach gar nichts mehr ein­fal­len. Al­le Lie­der schei­nen ge­sun­gen, al­le Ge­schich­ten er­zählt.

So zie­hen sie in ei­ne krea­ti­ve „Män­ner-WG“ – mit all den Vor- und Nach­tei­len, die das WG-Le­ben so mit sich bringt. Hier be­ge­ben sie sich sin­gend, im­pro­vi­sie­rend und tan­zend auf die Su­che nach „dem“ Hit. In ih­rer Ver­zweif­lung he­gen die Mu­si­ker schon Aus­wan­de­rungs­ge­dan­ken in Rich­tung Ame­ri­ka. Bis die Trup­pe bei ei­nem frus­trie­ren­den Bar­be­such Sän­ge­rin Joa­na ken­nen­lernt, die die mü­den Män­ner mun­ter macht und ih­nen letz­tend­lich bei der Ta­lents­how „Wer lan­det den be­sten Hit“ wie­der auf die Bei­ne hilft.

Doch es wa­ren nicht die Schmach­ti­gal­len, die im Stück ei­nen Hit lan­de­ten: Mu­si­cal­sän­ge­rin Ju­lia Li­ßel sang als Joa­na die Her­ren der Schöp­fung ein­fach glatt­weg an die Wand und feg­te die Bar­bers­hop-Trup­pe mit ih­rer fu­rio­sen Stim­me hin­weg. Schon bei ih­rem er­sten Auf­tritt mit „Ma­kin‘ Whoo­pee“ fühl­te man sich in die Zei­ten von Ed­die Can­tor ver­setzt, der dem Song aus dem Mu­si­cal „Whoo­pee“ 1928 zu sei­nem er­sten gro­ßen Er­folg ver­half. Ab die­ser Si­tua­ti­on wirk­ten die ei­gent­li­chen Pro­ta­go­nis­ten „Tril­ler-Bo­ys“ le­dig­lich wie Bei­werk. Zu­dem war es si­cher­lich nicht Jan Hoff­manns be­ste Pre­mie­re. Der Te­nor schwä­chel­te in den Hö­hen, bei Ro­ger Ci­ce­ros Hit „Frau­en re­gier’n die Welt“ lang­te es le­dig­lich mit Ach und Krach zum Ac­ti­on­hel­den. Ge­wiss nicht leicht zu sin­gen, aber den­noch soll­te man dies bei ei­nem Stück im Stadt­thea­ter oh­ne Wenn und Aber er­war­ten kön­nen.

Auch von der Band hör­te man den ei­nen oder an­de­ren sel­te­nen Pat­zer – äu­ßerst un­üb­lich für die sonst so pro­fes­sio­nel­len Mu­si­ker. Doch trotz al­ler Kri­tik: die Songs, die die Trup­pe zum Be­sten gab, wa­ren wit­zig und ga­ben ein gu­tes Ab­bild über das Re­per­toire, das die Schmach­ti­gal­len ei­gent­lich be­herr­schen. Ob es nun das swin­gen­de „Cheek to Cheek“ von Ir­ving Ber­lin war oder der Song „Lol­li­pop“: Die Songs wa­ren wit­zig und vor al­lem selbst­iro­nisch. Und bei „Dem Lied, das je­der liebt“ konn­te man die Schmach­ti­gal­len mit Sän­ge­rin Li­ßel herr­lich über die klei­nen Ober­fläch­lich­kei­ten, die sich beim Schrei­ben ei­nes sol­chen Schmacht­fet­zens er­ge­ben, zan­ken se­hen. Krö­nen­der Ab­schluss war der „Wunsch-Song“ ganz am En­de der Vor­stel­lung. Denn die Trup­pe hat­te sich vor­ge­nom­men, in je­der Vor­stel­lung ei­nen Mu­sik­wunsch ei­nes Band­mit­glieds zum Be­sten zu ge­ben. Das nun vor­ge­stell­te „Der Mann, der kei­ne Beat­box konn­te“ von der Co­me­dy-A-Cap­pel­la-Trup­pe Bas­ta sorg­te we­gen der ab­sicht­lich fal­schen Rhyth­men (die be­wie­sen, wie rhyth­mus­si­cher die Jungs ei­gent­lich sind) und sehr gu­ten In­ter­pre­ta­ti­on für mehr als den ei­nen oder an­de­ren La­cher aus dem Pu­bli­kum. Für ei­ne sehr gu­te Per­for­man­ce müs­sen die Schmach­ti­gal­len bei den kom­men­den Vor­stel­lun­gen noch ei­nen Zahn zu­le­gen.

 

Inka Friedrich, 22.11.2016, Gießener Anzeiger

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