• Kontakt
  • Impressum
  • Presse
  • Spielzeit 2017-2018
    • Musiktheater
    • Schauspiel
    • Tanztheater
    • Kinder- und Jugend
    • Konzerte
    • Extras + Gastspiele
    • Theater unterwegs
    • kurzweilamt
    • Festivals
  • Archiv Übersicht
Musiktheater
Schauspiel
Tanztheater
Kinder- und Jugend
Konzerte
Extras + Gastspiele
Theater unterwegs
kurzweilamt
Festivals
Füchse_mitSchrift_03
Schwanda_mitSchrift_03
Sommernacht_mitSchrift_02
Hände_mitSchrift_01
Rio_Reiser_mitSchrift_02
Auftaucher_mitSchrift_02
Waves_mit_Schrift_03
Herbstmanöver_mitSchrift_03
Herbstmanöver_mitSchrift_02
Babbel_mitSchrift_01
Willkommen_mitSchrift_01
Füchse_mitSchrift_01
Cross_mitSchrift_01
Cross_mitSchrift_02
Sommernacht_mitSchrift_01
Hände_mitSchrift_02
Rio_Reiser_mitSchrift_01
Buch_mitSchrift_01
Ariadne_mitSchrift_01
Schwanda_mitSchrift_02
  • Spielzeit 2017-2018
  • Pressedetail

Extreme Herausforderung für die Zuhörer - Gießener Anzeiger
07.12.2017

Ni­ko­laus Fried­rich glänzt im Stadt­thea­ter als So­list in Lind­bergs bom­bas­ti­schem Kla­ri­net­ten­kon­zert / Ver­söhn­li­cher Schu­mann zum Ab­schluss

Ei­nen Abend der schrei­en­den Kon­tra­ste hat das Phil­har­mo­ni­sche Or­ches­ter Gie­ßen un­ter der Lei­tung von Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Mi­cha­el Hofs­tet­ter sei­nem Pu­bli­kum im Sin­fo­nie­kon­zert am Vor­abend des Ni­ko­laus­ta­ges im voll­be­setz­ten Stadt­thea­ter be­schert: Auf die po­pu­lä­re Peer-Gynt-Sui­te Nr. 1 op. 46 von Ed­vard Grieg (1843 – 1907) mit ih­rer Nä­he zum Kitsch folg­te das hoch­vir­tuo­se, stel­len­wei­se bom­bas­tisch auf­trump­fen­de Kla­ri­net­ten­kon­zert des zeit­ge­nös­si­schen fin­ni­schen Kom­po­nis­ten Mag­nus Lind­berg (Jahr­gang 1958), das nicht nur die Aus­füh­ren­den, son­dern auch die Zu­hö­rer ex­trem her­aus­for­der­te. Man­chen wur­de es gar zu­viel, so dass sie sich in der Pau­se an der Gar­de­ro­be die Män­tel ge­ben lie­ßen. So ha­ben sie das Be­ste ver­passt: Die be­weg­te, mit­rei­ßen­de Wie­der­ga­be von Ro­bert Schu­manns Sin­fo­nie Nr. 4 d-Moll op. 20 ent­schä­dig­te für die schril­len Tö­ne zu­vor und das wie­der ver­söhn­te Pu­bli­kum dank­te mit herz­li­chem Ap­plaus.

Wer kennt nicht die „Mor­gen­stim­mung“ aus der Peer-Gynt-Sui­te, die das süß­li­che Bild ei­nes idyl­li­schen skan­di­na­vi­schen Som­mer­mor­gens mit Son­nen­auf­gang, Vo­gel­ge­zwit­scher und dem frü­hen Licht auf den Wel­len der Fjor­de malt? Durch Fil­me, We­be­spots und Klin­gel­tö­ne ist die­se Mu­sik in­zwi­schen reich­lich ab­ge­nutzt, doch da­für kann der ar­me Ed­vard Grieg nun wahr­lich nichts. Gleich­wohl kämpft heu­te je­der, der sie auf­führt, mit der Last des Kitsch­ver­dachts. Hofs­tet­ter und sei­ne Mu­si­ker ver­wand­ten da­her sehr viel Sorg­falt auf die Mi­schung der Klang­far­ben und ro­man­ti­schen Stim­mun­gen und lie­ßen die vom Kom­po­nis­ten ge­schil­der­ten Sze­nen vor dem in­ne­ren Au­ge des Zu­hö­rers in fei­ner Zeich­nung ent­ste­hen – bis zur Hal­le des Berg­kö­nigs, wo das Or­ches­ter in ei­nem a­tem­be­rau­ben­den Cre­scen­do ein ful­mi­nan­tes Aus­ru­fe­zei­chen setz­te.

In ei­ner vir­tuo­sen Dar­bie­tung be­wies der Kla­ri­net­tist Ni­ko­laus Fried­rich so­dann, dass er den ex­tre­men Her­aus­for­de­run­gen in Lind­bergs Kla­ri­net­ten­kon­zert mit spiel­tech­ni­scher No­bles­se ge­wach­sen und je­der­zeit Herr des Ge­sche­hens ist. Lind­berg, der mit Or­ches­ter­wer­ken in gro­ßer Be­set­zung in­ter­na­tio­nal er­folg­reich ist und vom Ma­ga­zin „Fi­nan­ci­al Ti­mes“ als ei­ner der „auf­re­gend­sten Kom­po­nis­ten sei­ner Ge­ne­ra­ti­on“ ge­fei­ert wur­de, leg­te mit dem Kla­ri­net­ten­kon­zert 2002 ein fa­cet­ten­rei­ches Stück vor, das Volks­me­lo­di­en mit An­lei­hen bei Ger­shwin, Swing und Free Jazz mischt und vom So­lis­ten ge­ra­de­zu traum­wand­le­ri­sche Fle­xi­bi­li­tät ver­langt.

In en­ger Ab­stim­mung mit dem spiel- und ent­de­cker­freu­di­gen Or­ches­ter lös­te Ni­ko­laus Fried­rich sei­ne Auf­ga­be mit ei­ner Glanz­leis­tung. Sou­ve­rän be­herrsch­te er die mör­de­ri­schen Tem­pi, meis­ter­te den mit flin­ken Ska­len und In­ter­vall­sprün­gen ge­spick­ten So­lo­part mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit, ließ sein In­stru­ment in höch­ste La­gen sprin­gen, ließ es säu­seln und wim­mern, stieß spit­ze Kiek­ser aus und quetsch­te schril­le Tö­ne her­vor – kein Ge­nuss für Men­schen mit emp­find­sa­mem Ge­hör, eher schon ei­ne Tor­tur.

Zum Ab­schluss ein von Lei­den­schaft durch­glüh­ter Schu­mann: Mit tän­ze­ri­schem Elan und Punkt­ge­nau­ig­keit ließ Hofs­tet­ter die vier­te Sin­fo­nie des Ro­man­ti­kers, die ei­gent­lich sei­ne zwei­te war, mit ih­ren zau­ber­haf­ten Me­lo­di­en, ih­rer Zärt­lich­keit und ih­ren kraft­vol­len Im­pul­sen auf­blü­hen. Er wähl­te ei­ne zü­gi­ge, sehr be­schwing­te Gan­gart, doch von der in­ne­ren Viel­schich­tig­keit und rhyth­mi­schen Raf­fi­nes­se der Mu­sik ging nichts ver­lo­ren. Al­les war wun­der­schön im Fluss und al­les war da – die Stim­mung zwi­schen Me­lan­cho­lie und über­schäu­men­der Le­bens­freu­de im er­sten Satz, die schwer­mü­ti­ge Ro­man­ze mit So­lo­vio­li­ne (Ji­ri Bu­ri­an) im zwei­ten Satz, das mit Hu­mor ge­würz­te Scher­zo und schließ­lich das blen­den­de Fi­na­le.

 

Thomas Schmitz-Albohn, 07.12.2017, Gießener Anzeiger

© 2018 Stadttheater Giessen
IMPRESSUM DATENSCHUTZ PRESSE
Nach oben